Die Story: In einer tagelangen Schlacht unterliegt eine Gottheit den Mächten der 6. Wächter, die der finstere Tanzra geschaffen hat. Nach der Niederlage zieht sich die Gottheit in ihren fliegenden Palast zurück, um sich während eines langen Schlafes von den Verletzungen zu erholen. Währenddessen teilt Tanzra die Welt unter seinen Wächtern auf, und Monster bevölkern die Steppen, Wüsten und Wälder.
Nach dem Erwachen ist die Gottheit all ihrer Kräfte beraubt, da schon es schon lange keine Gläubigen mehr in der Welt gibt. Dazu entschlossen Tanzra zu besiegen, steigt die Gottheit erneut auf die Erde herab. Es gilt alle Monster und Wächter Tanzras zu vernichten, ehe in der finalen Schlacht gegen Tanzra selbst das Schicksal der Welt entschieden werden soll.
Das Spiel: ActRaiser ist ein ungewöhnlicher Genre-Mix: Jump'n Run, Aufbau-Strategie und RPG. Und kein anderer als der für die Soul Blazer-Reihe bekannte Entwickler Quintet ist für diesen SNES-Klassiker verantwortlich.
Der Spieler übernimmt in ActRaiser ungewöhnlicherweise die Rolle der Gottheit, die die Welt vom Bösen befreien will. Die Aufgabe besteht darin, die Monster in einem Gebiet zu vernichten und anschließend dort Menschen anzusiedeln.
Dieser Vorgang besteht aus 3 Etappen. Zunächst kämpft man sich in einem, an die Castlevania-Reihe erinnerndem, Jump'n Run-Abschnitt bis zum Level-Boss durch. Sobald dieser besiegt ist, wechselt das Spiel in den Aufbau-Modus. Der Spieler steuert nun einen kleinen Engel, der die Wünsche der Gottheit erfüllt, vom Volk Gaben entgegennimmt und mit Pfeilen angreifende Monster abwehren kann.
Zunächst müssen meist einige Hindernisse aus dem Weg geräumt werden - beispielsweise Büsche oder Felsen. Als Gottheit hat man natürlich einige Wunder & Katastrophen im Gepäck, mit denen sich solche Kleinigkeiten im Nu wegschaffen lassen. Ein Blitz hier, ein Sturm da - schon sieht die Welt ganz anders aus. Daraufhin zeigt man den Menschen, in welche Richtung sie ihre Städte ausbreiten sollen. Ziel hierbei ist es, alle Monster-Höhlen in diesem Gebiet von Menschen versiegeln zu lassen. Alternativ könnte man auch die Monster solange abschlachten bis der Nachschub erschöpft ist - das würde allerdings ziemlich lange dauern.
Ist die letzte Höhle in diesem Gebiet versiegelt, gilt es das Land vom Wächter zu befreien. Diese dritte Etappe ist wieder ein Jump'n Run-Abschnitt, an dessen Ende der Wächter auf euch wartet. Die Bosskämpfe sind übrigens teilweise ganz schön knifflig. Eine gute Hilfe dabei sind jedoch die 4 Zauber, welche man im Laufe des Spiels findet.
Doch auch der Weg zu den Bossen ist nicht gerade ein Kinderspiel. Ein Kontakt mit Stacheln oder Abgründen macht dem Spieler umgehend den gar aus. Die Gegner sind auch immer da, wo man sie gerade nicht gebrauchen kann. Dennoch fallen diese Abschnitte immer leichter, wenn man erst einmal das Schema durchschaut und eine Taktik für jeden Gegnertyp gefunden hat. Trotzdem bleiben sie fordernd und unterhaltend.
Die Aufbau-Abschnitte sind für Fans des Genres vermutlich enttäuschend. Alles verläuft sehr linear, was aber in Hinsicht auf den festen Storyverlauf von ActRaiser verständlich ist. Dennoch ist es recht lustig den Menschen mit ihren Problemen zu helfen und sich verehren zu lassen. Die Gottheit entwickelt sich mit der Größe der Bevölkerung. Ist diese in allen Völkern bis zum Maximum angestiegen, hat die Gottheit auch das höchste Level erreicht. Das ist in der Regel auch vor Spielende der Fall.
Optisch ist das Spiel für einen der früheren SNES-Titel gut gelungen. Alles ist farbenfroh und abwechslungsreich, wenn auch insbesondere in den Aufbau-Abschnitten etwas detailarm. Quintet- und Pixelart-Fans finden jedoch viele stilistisch typische und originelle Grafiken. Alles ist recht flüssig und frei von Grafikfehlern.
Die Musikuntermahlung ist eher unspektakulär, in den Aufbau-Abschnitten aber teilweise schon nervig. Soundeffekte gibt es eher wenige, aber die vorhandenen sind wohl "OK". Immerhin wurde eines der Stücke auf dem Eröffnungskonzert der Games Convention 2004 vorgetragen.
Die Steuerung ist simpel und schnell erlernt. In den Jump'n Run-Einlagen reicht sie zwar nicht an die Elite-Titel des Genres heran, ist aber relativ gut gelungen.
Die insgesamt 6 Länder summieren sich zu 12 Jump'n Run-Abschnitten sowie 12 Endgegner. Danach wartet noch der finale Kampf, an dem man sich erst mal die Zähne ausbeißt, bevor endlich der Abspann über den Bildschirm flimmert. Schätzungsweise 10 Stunden braucht ein geübter Spieler für das erste Durchspielen.
Meine Meinung: ActRaiser gilt unter Kennern als Geheimtipp und ist ohnehin ein echter Klassiker. Wem die, im Vergleich zu späteren SNES-Titeln, spartanische Optik nichts ausmacht, findet in ActRaiser einen durchweg gelungenen Genre-Mix. Die kleineren Schwächen, wie der lineare Ablauf sowie die etwas kurz geratene Spielzeit sind zu verschmerzen.
Obwohl Aufbau-Strategiespiele eins der wenigen Genres ist, denen ich mich normalerweise entsage, hat mir ActRaiser viel Spaß gemacht. Es ist einfach ein waschechter Klassiker, der seinesgleichen sucht. Das einzig wirklich bedauerliche ist wohl nur, dass der Nachfolger keine der viele guten Ansätze übernimmt.
Grafik:
78%
Sound:
75%
Spielspaß:
81%
Gesamt:
79%
Pro:
Ungewöhnlicher Genre-Mix und Spiel-Idee, fordernder Schwierigkeitsgrad
Contra:
Etwas kurz und zu linear
Fazit:
Ein origineller Klassiker, den man sich auf jeden Fall einmal ansehen sollte.
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